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Wie lange darf man im Stehen arbeiten? Gesunder Rücken am Arbeitsplatz

Wie lange darf man im Stehen arbeiten Gesunder Rücken am Arbeitsplatz

Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren radikal gewandelt. Weg vom starren Verharren auf dem Bürostuhl, hin zu dynamischen Konzepten. Doch während wir früher dachten, dass das Sitzen das „neue Rauchen“ sei, stellen sich heute viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber eine ganz andere Frage: Wie lange darf man im Stehen arbeiten, bevor der Körper rebelliert?

Wer den ganzen Tag am Schreibtisch verbringt, sehnt sich nach Abwechslung. Doch wer acht Stunden am Stück steht, merkt schnell, dass auch das kein Allheilmittel ist.

In diesem Beitrag erfahren Sie alles über das richtige Maß, die rechtlichen Rahmenbedingungen und wie Sie Ihren Arbeitsplatz so ergonomisch gestalten, dass Sie fit durch den Feierabend kommen.

Wie lange darf man in der Arbeit stehen? Gesetzliche und gesundheitliche Richtlinien

Wie lange darf man in der Arbeit stehen Gesetzliche und gesundheitliche Richtlinien

Es gibt in Deutschland kein starres Gesetz, das auf die Minute genau festlegt, wie lange ein Mitarbeiter stehen darf.

Allerdings gibt es klare Arbeitsschutzrichtlinien und ergonomische Empfehlungen der Berufsgenossenschaften. Diese zielen darauf ab, physische Belastungen so gering wie möglich zu halten.

Die Gefährdungsbeurteilung am Steharbeitsplatz

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung für den Arbeitsplatz zu erstellen.

Wenn Sie an einem reinen Steharbeitsplatz tätig sind – etwa im Verkauf, in der Produktion oder im medizinischen Bereich –, müssen Ausgleichsmaßnahmen geschaffen werden. Dazu gehören:

  • Regelmäßige Pausen.

  • Sitzgelegenheiten zur kurzfristigen Entlastung.

  • Ergonomische Bodenmatten (Anti-Ermüdungsmatten).

Die Faustregel der Ergonomie-Experten

Mediziner und Ergonomen empfehlen für Büroarbeiter meist die 60-30-10-Regel. Das bedeutet:

  1. 60 Prozent der Arbeitszeit sitzen.

  2. 30 Prozent der Arbeitszeit stehen.

  3. 10 Prozent der Arbeitszeit aktiv bewegen (Gehen).

Das beantwortet die Frage „Wie lange darf man im Stehen arbeiten“ recht präzise: Im Idealfall nicht länger als 20 bis 30 Minuten am Stück, gefolgt von einer Phase des Sitzens oder der Bewegung.

Ist es gesund, 8 Stunden zu stehen?

Die kurze Antwort lautet: Nein. Wer glaubt, seinem Körper etwas Gutes zu tun, indem er den Bürostuhl komplett verbannt und 8 Stunden durchgehend steht, riskiert langfristige gesundheitliche Schäden.

Die Risiken von exzessivem Stehen arbeiten

Wenn wir beim Stehen arbeiten, muss unser Herz das Blut gegen die Schwerkraft aus den Beinen zurück nach oben pumpen.

Werden die Muskeln in den Waden nicht durch Bewegung (die sogenannte Muskelpumpe) aktiviert, sackt das Blut ab. Die Folgen können sein:

  • Krampfadern und Venenleiden: Der Druck in den Beinvenen steigt massiv an.

  • Muskelskelett-Erkrankungen: Schmerzen im unteren Rücken, Verspannungen im Nacken und Schmerzen in den Fußgelenken sind klassische Symptome.

  • Herz-Kreislauf-Belastung: Das Herz muss dauerhaft mehr leisten als im Sitzen oder bei moderater Bewegung.

Ein reiner Steharbeitsplatz ohne Wechselmöglichkeit ist daher ebenso ungesund wie permanentes Sitzen. Die Lösung liegt in der Dynamik.

Das richtige Verhältnis von Sitzen und Stehen finden

Das richtige Verhältnis von Sitzen und Stehen finden

Der Schlüssel zu einem gesunden Arbeitstag ist das Verhältnis von Sitzen und Stehen. Es geht nicht darum, das eine durch das andere zu ersetzen, sondern eine Symbiose zu schaffen.

Warum das richtige Verhältnis von Sitzen so wichtig ist

Unser Körper ist für Bewegung gemacht. Starre Haltungen, egal ob stehend oder sitzend, führen zu einer Unterversorgung der Bandscheiben mit Nährstoffen. Erst durch den Wechsel der Druckbelastung werden die Bandscheiben quasi „aufgepumpt“.

Tipps für den optimalen Wechsel:

  • Dynamik statt Statik: Wechseln Sie zwei- bis dreimal pro Stunde die Position.

  • Kurze Intervalle: Es ist besser, mehrmals täglich für 15 Minuten zu stehen, als einmal für zwei Stunden.

  • Telefonate als Anker: Nutzen Sie Telefonate konsequent dazu, aufzustehen und beim Stehen zu arbeiten oder umherzugehen.

Der höhenverstellbare Schreibtisch: Das Herzstück der Ergonomie

Um das Idealmaß zu erreichen, ist ein höhenverstellbarer Schreibtisch heutzutage fast schon Standard in modernen Büros. Er ermöglicht den nahtlosen Übergang zwischen den verschiedenen Positionen, ohne den Workflow zu unterbrechen.

Vorteile eines höhenverstellbaren Arbeitsplatzes

Ein höhenverstellbarer Schreibtisch fördert die Konzentration. Durch das Aufstehen wird der Kreislauf angekurbelt, die Sauerstoffaufnahme verbessert sich und das typische „Mittagstief“ kann besser überbrückt werden.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten:

  1. Stabilität: Ein hochwertiger höhenverstellbarer Schreibtisch darf auch in der höchsten Position nicht wackeln.

  2. Verstellgeschwindigkeit: Elektromotoren sollten leise und zügig arbeiten.

  3. Memory-Funktion: Speichern Sie Ihre ideale Steh- und Sitzhöhe ab, um per Knopfdruck die perfekte Ergonomie zu finden.

Ergonomie am Arbeitsplatz: Wie lange darf man im Stehen arbeiten?

Ergonomie am Arbeitsplatz Wie lange darf man im Stehen arbeiten

Ein ergonomisch eingerichteter Platz umfasst mehr als nur den Tisch. Wenn Sie sich fragen, wie lange darf man im Stehen arbeiten, sollten Sie auch auf das „Wie“ achten.

Richtiges Stehen am Arbeitsplatz

  • Die Ellbogen-Regel: Stellen Sie die Höhe so ein, dass Ihre Unterarme locker auf der Platte aufliegen und der Winkel im Ellbogen etwa 90 Grad oder etwas mehr beträgt.

  • Lockere Knie: Stehen Sie niemals mit durchgedrückten Knien. Das belastet die Gelenke und unterbricht den natürlichen Blutfluss.

  • Gewichtsverlagerung: Verlagern Sie das Gewicht immer wieder von einem Bein auf das andere.

  • Schuhwerk: Tragen Sie flache, bequeme Schuhe mit guter Dämpfung. High Heels oder sehr harte Sohlen sind für langes Stehen Gift.

Weitere wissenschaftliche Erkenntnisse zur Gestaltung eines gesunden Arbeitsumfelds finden Sie auf den Seiten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), die detaillierte Leitfäden zur Büroergonomie bereitstellt.

Langem Sitzen und langem Stehen aktiv entgegenwirken

Sowohl bei langem Sitzen als auch bei langem Stehen ermüdet die Muskulatur. Wenn die Haltemuskulatur schlapp macht, sacken wir in uns zusammen. Das Ergebnis ist der berüchtigte „Rundrücken“.

Strategien gegen die Ermüdung:

  • Micro-Workouts: Rollen Sie die Schultern, dehnen Sie die Waden oder machen Sie ein paar Kniebeugen.

  • Flächennutzung: Nutzen Sie die gesamte Breite Ihres Schreibtisches. Wer beim Stehen arbeitet, sollte sich leicht hin- und herbewegen können.

  • Visuelle Pausen: Schauen Sie alle 20 Minuten für 20 Sekunden in die Ferne (mindestens 6 Meter weit weg), um die Augen zu entlasten.

Sitzen oder Stehen: Was sagt die Wissenschaft?

Die Forschung ist sich einig: Die Mischung macht’s. Eine Studie der University of Waterloo hat ergeben, dass das ideale Verhältnis zwischen Sitzen und Stehen irgendwo zwischen 1:1 und 1:3 liegt. Wer also 30 Minuten sitzt, sollte idealerweise 15 bis 30 Minuten stehen.

Dennoch gilt: Hören Sie auf Ihren Körper. Wenn die Beine schwer werden oder der Rücken zieht, ist es Zeit für einen Positionswechsel.

Es gibt keine universelle Antwort auf die Frage, wie lange man im Stehen arbeiten darf, da jeder Körper individuell reagiert. Menschen mit Vorerkrankungen wie Bandscheibenvorfällen oder Venenschwäche müssen deutlich vorsichtiger agieren.

Für eine tiefergehende Analyse der Auswirkungen von Bildschirmarbeit auf die Gesundheit bietet die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) umfangreiche Publikationen und Präventionstipps an.

Praktische Checkliste für Ihren Steharbeitsplatz

Damit Sie das Stehen gesund in Ihren Alltag integrieren, hier eine kurze Checkliste:

  1. Monitorhöhe: Die Oberkante des Bildschirms sollte auf Augenhöhe sein, auch im Stehen.

  2. Abstand: Zwischen Augen und Monitor sollten etwa 50 bis 70 cm liegen.

  3. Bodenbeschaffenheit: Nutzen Sie bei hartem Boden eine ergonomische Matte.

  4. Haltung: Kopf gerade, Schultern entspannt, Becken leicht gekippt.

Fazit: Wie lange darf man im Stehen arbeiten?

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Frage „Wie lange darf man im Stehen arbeiten?“ lässt sich nicht mit einer festen Zeitangabe für alle beantworten, aber mit einem klaren Prinzip: Wechseln Sie so oft wie möglich.

Vermeiden Sie es, 8 Stunden am Stück zu stehen, aber verharren Sie auch nicht den ganzen Tag im Sitzen. Ein moderner höhenverstellbarer Schreibtisch ist das wichtigste Werkzeug, um diesen Wechsel spielend leicht in den Arbeitsalltag zu integrieren.

Achten Sie auf eine gute Ergonomie, hören Sie auf die Signale Ihres Rückens und sorgen Sie für ausreichend Bewegung zwischendurch. So bleiben Sie nicht nur produktiv, sondern investieren langfristig in Ihre Gesundheit.

Ein ergonomischer Arbeitsplatz ist keine Kostenfrage, sondern eine Investition in Ihre eigene Leistungsfähigkeit. Fangen Sie heute damit an, Ihre Gewohnheiten zu hinterfragen und bringen Sie Bewegung in Ihren Job!

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